Fr, 24.09.2021
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Zahntechniker protestieren gegen „Vorschaltgesetz“

mehr als 10.000 Zahntechniker aus allen Teilen der Republik versammelten sich am Brandenburger Tor

Optimisten unter den Organisatoren hatten bis zu zehntausend erwartet, gekommen sind weit über zehntausend. Am 11.11.2002 versammelten sich 2 Stunden lang von dem so genannten Beitragssatzsicherungsgesetz auch betroffene Laborinhaber, Zahntechniker, Auszubildende und Verbandsvertreter am Brandenburger Tor, um gegen die unsoziale und ungerechte Benachteiligung des zahntechnischen Handwerks in diesem Gesetz zu demonstrieren.

Die Mehrwertsteuer auf zahntechnische Leistungen soll im "Steuervergünstigungsabbaugesetz" um 9% (statt 7% jetzt 16%) erhöht werden. Hundefutter und Champagner bleiben vergünstigt  Als Begründung führt die Politik auch hier Gerechtigkeit durch den Abbau von Subventionen an. Die begrüßenswerte Absicht, die Patienten nicht noch mehr zu belasten, sollte mit der Zwangskürzung der Kassenleistungen für zahntechnische Arbeiten um 10% erfüllt werden. Die Kosten sollte also das zahntechnische Handwerk tragen und noch ein bisschen zusätzlich sparen. In der „Ideenschmiede“ war wohl schon die Einsicht gereift, dass unser Handwerk diesen Einschnitt nicht verkraften wird, und es wurde beschlossen, die Preise „nur“ um 5% zu senken.

Vor diesem Hintergrund machte Lutz Wolf, Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen, bei der Demonstration deutlich, dass das beabsichtigte Preisdiktat nicht mit der Preis- und Ausgabenentwicklung begründet werden kann. Es wird zu weiteren Arbeitsplatzverlusten und Konkursen in unserem Handwerk, das sich von den Folgen der „Gesundheitsreform“ von 1998 noch nicht erholt hat, führen.

Seit 1998 mussten 20.000 Beschäftigte im zahntechnischen Handwerk entlassen, die Zahl der Ausbildungsplätze gravierend eingeschränkt werden. Noch heute leiden zahntechnische Betriebe unter Schuldendiensten für Kredite, die sie seit 1998 aufnehmen mussten, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Der Kreditrahmen vieler Betriebe ist damit erschöpft. Diese mittelständischen Handwerksunternehmen - in öffentlichen Talkshows genießen sie wegen ihrer positiven Wirkung auf den Arbeitsmarkt die uneingeschränkte verbale Zuwendung der Politik – stehen vor dem Aus. Die verbleibenden Betriebe werden in absehbarer Zeit natürlich nicht in der Lage sein, das Entgelt ihrer Mitarbeiter an die allgemeine Einkommensentwicklung anzukoppeln.

Das Unsoziale des „Vorschaltgesetzes“ manifestiert sich in der Benachteiligung der Beschäftigten unseres Handwerks, ungerecht ist die Absicht, dem zahntechnischen Handwerk Preisminderungen zu diktieren, hingegen wird anderen betroffenen Bereichen des Gesundheitswesens „nur“ eine Nullrunde zugemutet.

Die Demonstranten appellierten unüberhörbar an die Politik, den weltweit anerkannt hohen Qualitätsstandard deutscher Produkte der Zahntechnik nicht dadurch zu vernichten, dass die gesamte Branche zugrundegerichtet wird. Der Import von zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen im Ausland gefertigtem minderwertigem Zahnersatz kann und darf unser Handwerk nicht ersetzen. Es wurde stattdessen angeregt, den Export deutscher Zahntechnikprodukte zu fördern.

Die Teilnehmer von Wupper Dental an der Demonstration, Renate Schäfer und Lothar Dröse, waren von der Beteiligung und hohen Motivation der Kolleginnen und Kollegen, für ihren Berufsstand einzustehen, beeindruckt. Angesichts der in unserem Handwerk noch verbliebenen 66.000 Beschäftigten muss eine Beteiligung von rund jedem Vierten auch von unseren politischen Entscheidungsträgern als deutliches Signal der Betroffenheit und Entschlossenheit verstanden werden. Den Organisatoren der Veranstaltung ist für den geordneten und gut vorbereiteten Ablauf zu danken. Es ist allerdings zu bedauern, dass das Interesse der Medien und der Öffentlichkeit wohl nur dem geringen Anteil an den Ausgaben im Gesundheitswesen von 1,4% entspricht.

Weitere Informationen – insbesondere ausführliches Zahlenmaterial – finden Sie auf der Website des VDZI.

Wenn die Sache nicht so bitter ernst wäre, könnte das Datum darauf hindeuten, dass nach Eröffnung närrischen Treibens durch die zuständige Ministerin die Zahntechniker den „Hoppeditz“ rausgelassen haben. Die jetzt anschließenden Karnevalsfeiern können noch kostengünstig abgewickelt werden, weil die Bürger vom „Subventionsabbau“ beim Champagner verschont werden, da bleibt es beim Mehrwertsteuersatz von 7%. Aber den muss man ja auch nicht kauen . . .



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