Mo, 26.09.2022
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Lexikon

Milchzahnkaries

Auf die richtige Füllung kommt es an.

Erfreulicherweise gibt es in Deutschland immer mehr Kinder, deren Zähne gar nicht oder nur sehr gering durch Karies geschädigt sind. Daneben ist aber eine kleine Gruppe von Kindern zu nennen, die immer noch sehr stark unter Karies leidet. Die Zähne dieser Kinder sind zum Teil so stark geschädigt, dass sogar an Überkronungen gedacht werden muß. Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle und Dr. Martin Jean Koch von der Universität Heidelberg haben sich mit den aktuellen Zahnfüllungen für Milchzähne beschäftigt. Die Wahl der Behandlungsmittel, so Staehle und Koch, ist abhängig vom Alter des Kindes sowie von der Art, Lokalisation und Ausdehnung der Zahnschädigungen. Jede Milchzahnkaries verläuft unterschiedlich. Deshalb muß bereits bei der Diagnostik unterschieden werden zwischen Kindern mit rasch fortschreitender Karies und solchen, bei denen Karies sich nur langsam ausbreitet. Darüber hinaus besteht manchmal sogar die Möglichkeit der Remineralisation: Kalziumkristalle und andere Mineralsalze lagern sich dann erneut in den Zähnen ab und stoppen die Schädigung. Solange sich noch kein Loch gebildet hat und die Dentinsubstanz noch intakt ist, kann Karies durch vorbeugende Maßnahmen zum Stillstand gebracht werden: Dazu gehören eine gesunde Ernährung, sorgfältige Zahnpflege sowie die Gabe von Fluoriden. Dies bedeutet natürlich, daß der Zahnarzt den Zahn auch häufiger kontrollieren muss. Die Versiegelung der Kaufläche mit sogenannten Kunststoffen mit Hilfe der Säure-Ätz-Technik kann beginnende Karies stoppen und wird besonders zum Schutz der tiefen Grübchen an den Kauflächen eingesetzt. Hat der Zahnschmelz feine Risse, so können sie damit versiegelt werden. Gerade solche Risse sind Eintrittspforten für Karies, die auch durch Zähneputzen nicht beeinflussbar sind. Vorteil dieser Maßnahme: Es muß nicht allzuviel Zahnsubstanz geopfert werden. Wird allerdings ein größerer Kariesschaden übersehen, kann er sich unter der Lackschicht ungestört weiterentwickeln. Liegen bei einem Kind hingegen Zahnschädigungen vor, die bereits zu großen Löchern geführt haben, lassen sich diese mit plastischen nichtmetallischen Füllungen aus zahnfarbenen Materialien beheben. Dabei entfernt der Zahnarzt zunächst die kariöse Substanz. Das entstandene "saubere" Loch wird bei Milchzähnen in der Regel mit weichen Materialien (z. B. Komposite, Zemente) gefüllt.

Diese plastischen Füllungswerkstoffe werden direkt in den Zahn gefüllt und härten aus, nachdem der Zahnarzt ihnen die endgültige Form gegeben hat. Nach den Empfehlungen des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte soll kein Amalgam bei Kindern unter sechs Jahren verwendet werden. Als Alternative bieten sich die sogenannten Komposite (plastische Füllungswerkstoffe) an. Sie sind ein Gemisch aus Kunststoffen und Glas oder Quarz und eignen sich besonders für Zahnbereiche, auf die kein starker Kaudruck einwirkt (Front- und mittlerweile auch Seitenzahnbereich). Die Kunststoff-Füllung wird innerhalb einer Sitzung gelegt. Dies ist jedoch sehr zeitaufwendig und setzt beim Kind eine gewisse Kooperationsbereitschaft voraus.

Problematisch ist, daß diese Füllungen bei der Härtung schrumpfen: Zwischen Füllung und Zahnmaterial entsteht ein Spalt, das Risiko einer erneuten Kariesentwicklung ist dann groß. Eine gute Mundhygiene und eine regelmäßige Nachsorge ist daher besonders wichtig. Unklar ist noch, wie verträglich die Kunststoffe sind.Kompomere werden erst seit zwei Jahren eingesetzt. Sie bestehen aus einer Mischung von Glasionomeren (Zement) und Kunststoff. Die Füllung wird in einem Gang gelegt und anschließend mit Licht gehärtet. Da bei den Kompomeren die Säure-Ätz-Technik entfällt, haben sie im Vergleich zu Kompositen einige Vorzüge. Positive Nebenwirkungen der Kompomere: Vermutlich geben sie Fluoride an den umgebenden Zahnschmelz ab und können so erneuter Karies vorbeugen.Zementfüllungen wie Zinkoxid-Eugenol-Zemente und Glasionomerzemente sind nicht besonders kaudruckstabil und eignen sich daher nur zur Behandlung kleiner Defekte und von Zahnhalskaries. Sie finden hauptsächlich als Übergangslösung im Milchzahngebiß Verwendung. Die sogenannten Steinzemente sind allerdings aufgrund ihrer leichten Brüchigkeit und Toxizität nicht für die Behandlung von Milchzahnkaries empfehlenswert.Eine wertvolle Ergänzung des kinderzahnärztlichen Behandlungsspektrums ist festsitzender Zahnersatz (Überkronungen). Sie stabilisieren die Zahnsubstanz, bauen die Krone funktionell wieder auf und schützen die gesamte Kronenoberfläche vor weiterer Zerstörung. Diese Überkronungen eignen sich deshalb besonders bei stark zerstörten Milchzähnen, wenn es bereits zu Verletzungen von Zahnnerven, Zahnmark und Zahnhalteapparat gekommen ist. Es können in Ausnahmefällen aber auch außerhalb des Mundes Füllungen durch den Zahntechniker angefertigt und vom Zahnarzt in dem präparierten, sauberen Loch befestigt werden (Gußfüllungen und -überkronungen oder zahnfarbene Veneers, Inlays, Onlays, Überkronungen aus Komposite oder Keramik). Dies ist zum Beispiel dann möglich, wenn stärkere Schäden noch zu erhaltender Milchzähne zu behandeln sind und das Einsetzen konfektionierter Überkronungen wegen Materialunverträglichkeiten oder aus ästhetischen, funktionellen Gründen problematisch erscheint. Die Herstellung laborgefertigter Füllungen oder Kronen ist nach Staehle und Koch außerdem gerechtfertigt, wenn unter den Milchzähnen keine bleibenden Nachfolger angelegt sind und die betroffenen Zähne über lange Zeit erhaltungswürdig erscheinen.

Quelle: Kuratorium Perfekter Zahnersatz



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